Das Lied

Ein Welthit entsteht

Ist es Zufall oder Schicksal? Glück oder göttliche Fügung? Wie kann es sein, dass ein kleines, schlichtes Weihnachtslied – innerhalb von nur wenigen Stunden komponiert – weltweiten Ruhm erlangt? Und das ganz ohne Twitter, Facebook und Instagram? In einer Zeit, in der es weder Radio noch Fernsehen gab? Und in einer Epoche der Menschheitsgeschichte, die von Krieg, Hunger, Elend und Not geprägt war. Hoffnung war ein großes Wort und für Träume war wenig Platz.

„Die verstehen sehr wenig, die nur das verstehen, was sich erklären lässt.“

(Marie von Ebner-Eschenbach)

Sehnsucht nach Tiefe

Das Lied entstand ohne die Absicht, berühmt zu werden. Es entstand jedoch mit der Absicht, Menschen zu trösten, ihnen Hoffnung zu geben und sie in ihrem Glauben zu bestärken. Im Glauben, dass da jemand ist, der sich ihrer annimmt: Ein guter und kein strafender Gott. Joseph Mohr, der Verfasser des Gedichtes „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ war ausgebildeter Theologe und Hilfspriester. Und er verfügte über einen starken und unerschütterlichen Glauben. Diesen ließ er in die Zeilen dieser sechs Strophen einfließen.

Ein Wiegenlied für die Welt

Franz Xaver Gruber schien die Tiefe dieser Worte auf Anhieb zu erfassen: Er komponierte ein Lied im wiegenden Siciliano-Rhythmus. Ein Wiegenlied für das neugeborene Jesuskind. Ein Wiegenlied für uns alle. Ein Lied, in dem sich jeder von uns wiederfinden kann. Sich geborgen und aufgehoben fühlt. Der Bekanntheitsgrad des Liedes mag wie ein Wunder anmuten, aber es ist keines. Das Lied ist ein Geniestreich!

Und so gelang auch die Verbreitung durch die Tiroler Nationalsänger: Vom Zillertal nach Europa, von Europa nach Amerika, Russland und über Missionare in die ganze Welt. Wo immer das Lied gesungen wurde, ließ es die Menschen aufhorchen. Grade so, als verfüge es über einen geheimen Schlüssel zu den Herzen und Seelen. Auch wenn seine Herkunft nicht immer klar war, ging es als kulturelles Erbe nie verloren. Ganz im Gegenteil: Es gilt mittlerweile als Weltfriedenslied und ist nationales UNESCO-Weltkulturerbe.

Ein Musikstück ohne Ablaufdatum

Das Lied ist längst ein „Welthit“, auch wenn es nicht gerne als solcher bezeichnet wird: Es gibt kaum einen Weltstar, der das Lied nicht irgendwann einmal in seiner musikalischen Karriere interpretiert und aufgenommen hat. Es ist ein Bestseller. Ein Selbstläufer. Man hört sich niemals ab, vielleicht weil es einer ganz bestimmten Zeit im Jahr vorbehalten ist: Der Vorweihnachtszeit, dem Advent und dem Heiligen Abend. Es ist das die Zeit, in der wir uns wieder auf das Wesentliche besinnen möchten: Auf die Familie und das friedvolle Miteinander. Auf die Schlichtheit und den wahren Sinn des Lebens. All das spiegelt sich in „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ und so scheint es zeitlos modern.

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