Hippach

Vom Zillertal in die Welt

Zwischen Salzburg und dem Zillertal gibt es zahlreiche sowohl geschichtliche als auch geografische Berührungspunkte. Bis in das Jahr 1816 gehörten große Teile des 40 Kilometer langen Trogtals zu Salzburg, danach kam es zur Vereinigung mit dem Kronland Tirol. Der Fluss Ziller bildet noch heute die Diözesangrenze zwischen den Kirchenprovinzen Salzburg und Innsbruck (früher Brixen). Die Zugehörigkeit ist (mit Ausnahmen von zum Beispiel Strass im Zillertal und Wiesing im Inntal) an der Farbe der Kirchturmdächer gut erkennbar: Die grünen Dächer gehören zur Erzdiözese Salzburg, die roten zur kirchlichen Verwaltungseinheit Innsbruck. Die grüne Farbe geht auf die Verwendung von Kupfer zurück, das die wohlhabende Diözese Salzburg für ihre Kirchen verwenden konnte, während das Bistum Brixen sparsamer sein musste und mit Ziegel- oder Lärchenschindeldächern arbeitete.

Von Hippach nach Leipzig

Ziegelrot ist auch das Dach der Pfarrkirche Hippach, aus dessen Ortsteil Laimach die Familie Strasser mit den vier Geschwistern stammte. Der Vater Lorenz Strasser war Bauer, Krämer und Handschuhhändler und reiste in der Zeit zwischen Advent und Maria Lichtmess am 2. Februar alljährlich nach Leipzig und Berlin, um die gams- und ziegenledernen Handschuhe und andere Waren auf Märkten zu verkaufen: Während die Almen verschneit waren und die Landwirtschaft ruhte, war dieser Warenhandel ein willkommenes und notwendiges Zubrot für die Bauern. Die Kinder Anna, Josef, Amalie, Caroline und Alexander begleiteten den Vater auf seinen Reisen.

Eine frühe Verschriftlichung des Liedes

An Weihnachten 1831 hatte die Bauersfamilie aus dem Zillertal ihren Stand am Leipziger Weihnachtsmarkt, wo sie neben dem Verkauf der Ware aus der Heimat auch Weihnachtslieder sang, darunter nachweislich auch „Stille Nacht! Heilige Nacht!“.

Die „Lerchen aus dem Zillertal“, wie sie genannt wurden, waren in fescher Tiroler Tracht gekleidet und trafen damit den Puls der Zeit: Die Alpen- und Tirolermode erfreute sich international großer Beliebtheit. Zudem erwachte auch in höfischen Kreisen gerade das Interesse am Volkslied: Die geschäftstüchtigen Bauern aus dem Zillertal erkannten die Sehnsucht und konnten sie auch erfüllen. Die Begeisterung der Marktbesucher war so groß, dass die Geschwister Strasser gebeten wurden, auch in der Christmette der Leipziger katholischen Gemeinde zu singen. Und noch im Jänner 1832 folgte ein Auftritt im Leipziger Gewandhaus. Weihnachten 1832 wurde ein weiteres Konzert im Hotel de Pologne in Leipzig abgehalten. Zwischen 1832 und 1834 veröffentlichte der Verleger A. R. Friese aus Dresden eine Sammlung von echten Tiroler Weihnachtsliedern, in der sich auch „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ fand. Aufgrund ihrer Erfolge in Leipzig brachen die Geschwister Strasser zu einer Konzerttournee durch ganz Deutschland auf, unter anderem mit einem Auftritt vor dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. in Berlin. Ihre ergreifende Darbietung des Weihnachtsklassikers inspirierte auch andere: Der Berliner Domchor übernahm das Lied nach einem Auftritt der Strasser-Familie in sein Repertoire. König Friedrich Wilhelm von Preußen IV. kürte es sogar zu seinem Lieblingslied. Nach dem frühen Tod von Amelia Strasser im Jahr 1835 traten die Geschwister Strasser nicht mehr öffentlich auf. Das Musikstück aber setzte seine Reise um die Welt fort.

 

Auf den Spuren von „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ in Hippach:

  • Das Geburtshaus der Geschwister Strasser stammt aus dem 18. Jahrhundert und ist ein völlig aus Holz erbautes Zillertaler Bauernhaus mit rauchgeschwärzten Holzbalken, einer alten Stube mit Walzenofen, Butzenscheiben und Türbeschlägen. In diesem denkmalgeschützten Strasser-Häusl ist heute ein Museum untergebracht, das die Geschichte der singenden Warenhändler aus dem Zillertal erzählt. Im Museum finden sich Original-Noten, Abbildungen der Familie Strasser und Handschuhe aus jener Zeit, ebenso wie landwirtschaftliche Gerätschaften und zahlreiche weitere Original-Exponate.
  • Die Wanderung zum Strasser-Häusl beginnt unterhalb der Kirche Hippach auf dem Parkplatz im Talboden. Schräg vis-à-vis führt ein kurzer Verbindungsweg an einem Stadel vorbei zum Ziller und folgt linker Hand dem Flussverlauf. Nach 1,5 Kilometern zweigt der markierte Weg zuerst zum Kirchlein in Laimach und dann zum romantischen Strasser-Häusl nach links ab. Auch wenn das Museum gerade nicht geöffnet hat, vermittelt das alte Holzhaus einen guten Eindruck von den Lebensgewohnheiten vor 200 Jahren. Die Route folgt nun der Wegnummer 13 Richtung Hippach. Zuvor zahlt sich noch der 20-minütige Abstecher zum Talbach-Wasserfall aus. Wieder retour bei der Abzweigung, führt die Route 13 auf der kürzesten Strecke nach Hippach, zu empfehlen ist aber auch der halbstündige Umweg Richtung Schwendau. Diese Route führt oberhalb der Ortschaft Hippach an zwei Schnapsbrennereien vorbei und folgt dann knapp einen Kilometer der aufwärtsführenden Zillertaler Höhenstraße. Bei der nächsten scharfen Kurve mündet die Route wieder in einen von Obstbäumen flankierten Weg und verläuft in einem weiten Bogen (Weg 7) den Bach entlang hinunter in den Ort. Im Winter, wenn die Schneebedingungen die Höhenvariante nicht zulassen, empfiehlt sich der Talweg.

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