Wagrain

Joseph Mohrs letzte Wirkungsstätte

Das arme und entlegene Bergbauerndorf Wagrain im Pongau war der Schlusspunkt in der langen Reihe an Versetzungen, die Joseph Mohr im Laufe seines Lebens durchlief. Am 4. März 1837 trat er den Dienst in Wagrain mit dessen 1.530 Einwohnern an. Doch aus gesundheitlichen Gründen fühlte sich Mohr in der rauen Bergwelt nicht sonderlich wohl. So suchte er schon nach sechs Jahren in Wagrain um eine Versetzung nach Mauterndorf an. Vergeblich! Und tatsächlich sollte ihm das Klima und die winterliche Kälte auf über 800 Meter Seehöhe am Ende zum Verhängnis werden.

Heute ist Wagrain ein beliebter Urlaubs- und Wintersportort und gehört zur Salzburger Sportwelt. Joseph Mohr würde seinen letzten Wohnort wohl kaum mehr wiedererkennen: Moderne Liftanlagen und Hotels, abwechslungsreiche Veranstaltungen im Winter und bestens markierte Wanderwege im Sommer – darunter der beliebte Salzburger Almenweg – führen durch Wagrain-Kleinarl.

Seelsorger und „sozialer Vikar“

In Wagrain blieb Joseph Mohr vor allem als „sozialer Vikar“ in Erinnerung. Ihm waren die Kleinsten, Ärmsten und Geringsten ein besonderes Anliegen. Schon in seinem zweiten Jahr in Wagrain war er der Hauptinitiator für den Bau der Volksschule, für die er fast sein ganzes Hab und Gut hergab. In dem baufälligen, aus Holz erbauten Mesnerhaus, das zugleich Schulhaus war, stand für 170 bis 180 Kinder ein einziges Zimmer zur Verfügung. Mit seinem ganzen Einfluss trat Joseph Mohr für einen raschen Schulbau ein. Am 5. November 1838 wurde das neue Schulhaus nach nur fünfmonatiger Bauzeit von Fürsterzbischof Friedrich von Schwarzenberg persönlich eingeweiht. Zudem führte Joseph Mohr das „Schuldgeld-Aversum“ ein, womit auch den ärmsten Kindern der Schulbesuch ermöglicht wurde.

Am Ende starb er so arm wie er geboren worden war

Joseph Mohr kaufte eine Feuerwehrspritze für die Gemeinde und setzte sich für die Armen- und Altenpflege ein. Vor allem die Härte des damals gebräuchlichen Einlegerwesens war ihm ein Dorn im Auge: Nach diesem mussten die Armen turnusmäßig von Hof zu Hof wandern und überall eine bestimmte Zeit verpflegt werden. Sein Wirken hat in Wagrain besonders nachhaltige Spuren hinterlassen. Dabei war Joseph Mohr auch in diesem Ort als leutseliger, geselliger und musikalischer Pfarrer beliebt. Während seiner Zeit in Wagrain trieb er die Sparsamkeit an sich selber und seinem Haushalt so weit, dass er nur noch einen Talar aus schwarzem Stoff besaß. Am 4. Dezember 1848 verstarb Joseph Mohr im Alter von nur 56 Jahren aufgrund einer Erkältung nach einem winterlichen Versehgang. Den Siegeszug seines Gedichts als weltberühmtes Weihnachtslied hat der „Priester der Armen“ nicht erlebt. Seine letzte Ruhestätte wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts aufgelassen, aber später wieder lokalisiert. Da es von Joseph Mohr kein Bild gibt, kam der Künstler und Pfarrer Josef Mühlbacher im Jahr 1912 auf die skurrile Idee, den Leichnam zu exhumieren, um über eine Schädelvermessung zu einer Vorlage für eine Bronzebüste zu gelangen. Das Kunstwerk ist in Oberndorf vor der Stille-Nacht-Kapelle zu sehen. Der Schädel wurde kurzerhand, zum Entsetzen der Wagrainer, in der Kapelle in Oberndorf eingemauert.

Auf den Spuren von „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ in Wagrain

  • In Wagrain erinnert die Joseph-Mohr-Gedächtnisorgel in der Pfarrkirche an das Wirken des sozialen Vikars. Im Seitenschiff der Kirche verweist eine Gedenktafel an Joseph Mohr als Verfasser des Liedes.
  • Der Wagrainer Kulturspaziergang lädt zu einer rund eineinhalbstündigen Wanderung auf den Spuren Mohrs und durch den Stille-Nacht-Bezirk. Auf dem Weg liegen die Pfarrkirche, der Pfarrhof, der von Mohr bewirtschaftet wurde, und der Friedhof mit Joseph Mohrs letzter Ruhestätte.
  • Nahe dem Waggerl-Haus befindet sich ein weiteres architektonisches Juwel im barocken Stil: Das neu renovierte Pflegerschlössl in Wagrain – ein ehemaliges fürsterzbischöfliches Gerichtsgebäude aus dem späten 18. Jahrhundert – beherbergt seit Dezember 2017 ein neues Stille-Nacht-Museum. Die Ausstellungsbereiche sind dem Leben und Wirken von Joseph Mohr in Wagrain, der Entstehung des Liedes, seiner internationalen Verbreitung und seines besonderen Zaubers gewidmet. Mit viel Geschick wurde in den alten Mauern ein modernes Museumskonzept verwirklicht, in dem alle Alters- und Wissensgruppen Spannendes erfahren. Zudem lädt das Museum Besucher zur interaktiven Auseinandersetzung mit dem Wert von Ruhe und Stille in einer immer hektischer werdenden Zeit ein. (Die Eröffnung fand am 3. Dezember 2017 statt.) Die Öffnungszeiten für Winter 2017/18 sind wie folgt:
    03.12.2017 bis 06.01.2018 täglich von 10.00 bis 17.00 Uhr
    07.01.2018 bis 01.04.2018 Dienstag, Donnerstag und Samstag jeweils von 10.00 bis 17.00 Uhr
  • Der alljährliche „Stille Nacht Advent Wagrain“ verbindet die Friedensbotschaft des Weihnachtliedes mit Weihnachtsbräuchen aus der ganzen Welt. Beim „Advent der Kulturen“ präsentieren sich Gastländer im Kreise der heimischen Aussteller. Weiters finden Adventkonzerte statt. Im Christkindlpostamt im Waggerl-Haus kann die Weihnachtspost liebevoll verziert werden. Am 24. Dezember werden Besucher mit einem romantischen Turmblasen ab 22.15 Uhr bei der Pfarrkirche auf die Christmette um 23 Uhr eingestimmt.
Eröffnung Stille-Nacht-Museum im Pflegerschlössl in Wagrain: v.l.n.r.: Carola Marie Schmidt (Museumschefin), Leo Bauernberger (Geschäftsführer SalzburgerLand Tourismus GmbH), Landeshauptmann Wilfried Haslauer, Erzbischof Franz Lackner, Martin Reiter (Stille Nacht-Forscher aus dem Zillertal, Autor und Buchverleger)

(c) Edition Tirol, Eröffnung Stille-Nacht-Museum im Pflegerschlössl in Wagrain: v.l.n.r.: Carola Marie Schmidt (Museumschefin), Leo Bauernberger (Geschäftsführer SalzburgerLand Tourismus GmbH), Landeshauptmann Wilfried Haslauer, Erzbischof Franz Lackner, Martin Reiter (Stille Nacht-Forscher aus dem Zillertal, Autor und Buchverleger)

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