Mariapfarr

Wurzeln und Inspiration für Joseph Mohr

In Mariapfarr trat Joseph Mohr seine erste Stelle als Hilfspfarrer an: Er lernte seinen Großvater kennen und verfasste 1816 das Gedicht „Stille Nacht! Heilige Nacht!“. Es war, als hätte der junge Priester zu seinen Wurzeln zurückkehren müssen, um Neues zu schaffen. Die Menschen litten unter Hunger und Armut und dennoch hielt dieser junge Kooperator unerschütterlich an seinem Glauben fest: Sein Gedicht ist unsterbliches Zeugnis davon.

Mariapfarr, wie’s damals war

Es war im Herbst 1815, als der 23-jährige Joseph Mohr nach der vorzeitigen Priesterweihe in Salzburg seine erste Stelle antrat: Er wurde Hilfspriester in Mariapfarr im Salzburger Lungau und kehrte damit zu seinen Wurzeln zurück. Joseph Mohrs Vorfahren väterlicherseits waren seit dem 17. Jahrhundert im Lungau angesiedelt.

Die Bevölkerung im SalzburgerLand und im abgelegenen Salzburger Lungau hatte harte Zeiten hinter sich. Salzburg war ein trost- und hoffnungsloser Ort: Seit dem Jahr 1803 hatte es fünf Herrschaftswechsel gegeben. Vom geistlichen Erzstift war das Land zum Kurfürstentum aufgestiegen, 1806 war es an Österreich gefallen, drei Jahre später an Frankreich und 1810 an Bayern. Erst im Frühjahr 1816 sollte diese lange Phase von Unsicherheit, Krieg und Gewalt zu Ende gehen: Am 1. Mai 1816 wurde Salzburg endgültig Österreich zugesprochen. Zu dieser Zeit herrschten Hunger und Armut: 1815 ging als das „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichtsbücher ein. Im April 1815 war in Indonesien ein Vulkan ausgebrochen und die enorme Eruption beeinflusste Monate später das Klima in weiten Teilen der Welt für Jahre negativ. Regen, Kälte und Unwetter führten in vielen Landstrichen zu Ernteausfällen. So stiegen 1816 in Salzburg die Getreidepreise binnen weniger Monate um 150 Prozent an!

Joseph Mohrs besondere Beziehung zu Mariapfarr

Der junge Hilfspriester war im Salzburger Lungau mehr als gefordert. Doch seine leutselige Art – damals für Geistliche keinesfalls selbstverständlich – half ihm, Vertrauen aufzubauen: Er berührte die Menschen, verstand die Keuschler, die Armen und die Kinder. Die vielen Kriegsjahre hatten die Bevölkerung finanziell ausgeblutet. Der hohe Getreidepreis und die Ernteausfälle bedrückten die ländliche Bevölkerung zusätzlich.

Vor diesem Hintergrund verfasste Joseph Mohr 1816 das Gedicht „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ mit sechs Strophen. Ungewöhnlich für die damalige Zeit, aber typisch für Joseph Mohr: Er schrieb es in Deutsch. Auch die Christmette in der Pfarrkirche „Unsere Liebe Frau“ wurde auf Latein und Deutsch gesungen, was wohl Inspiration für Joseph Mohr gewesen sein mag. Das Gedicht bringt zum Ausdruck, woraus Joseph Mohr in dieser schweren Zeit Hoffnung schöpfte: Aus dem unumstößlichen Glauben und an die Rettung der Welt, die sich im Wunder der Weihnacht offenbart.

Joseph Mohr lernte in Mariapfarr auch seinen Großvater väterlicherseits kennen. Er besuchte sowohl dessen Geburtshaus, die „Scharglerkeusche“, als auch dessen letzten Wohnort, die „Haasenkeusche“. Joseph Mohrs Großvater verstarb 1816, begleitet von seinem Enkelsohn.

Nach seinem zweiten Winter in Mariapfarr machten sich bei Joseph Mohr die ersten Anzeichen einer Lungenkrankheit bemerkbar: Im August 1817 verließ er den Lungau und kehrte zur Rekonvaleszenz in die Stadt Salzburg zurück.

Auf den Spuren von „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ in Mariapfarr:

  • Mariapfarr im UNESCO-Biosphärenpark Salzburger Lungau gilt als einer der sonnenreichsten Orte Österreichs: Schon seit Jahrzehnten kommen Gäste hierher zur Sommerfrische. Als Stille-Nacht-Ort gedenkt Mariapfarr dem Erbe Joseph Mohrs auf vielfältige Weise.
  • Das Stille-Nacht-Museum im nördlichen Teil des Pfarrhofes umfasst eine Dokumentation über Joseph Mohr, beginnend mit dem Stammbaum seiner Familie bis hin zu seinem zweijährigen Aufenthalt in Mariapfarr. Zu den Attraktionen des Museums zählt die große Weihnachtskrippe in der rekonstruierten „Mohr-Stube“. Die rund einhundert – zum Teil barocken – Figuren stammen aus dem Jahr 1750 und schmückten bereits zu Mohrs Zeiten die Krippe. Zu sehen sind auch das Taufbuch sowie das Sterbebuch aus der Zeit von 1815 bis 1817 mit persönlichen Eintragungen von Joseph Mohr, etwa zum Ableben seines Großvaters. Joseph Mohr wohnte während seiner Zeit in Mariapfarr im „Kooperaten-Kammerl“ im ersten Stock des rechten Haustraktes des Pfarrhofes.
    Öffnungszeiten: Montag und Donnerstag von 16.00 bis 18.00 Uhr (Führungen jeweils 16.30 Uhr). Im Oktober nur Donnerstag von 16.00 bis 18.00 Uhr geöffnet (Führung 16.30 Uhr). Im April, Mai und November geschlossen. Führungen ab 6 Personen sind nach Voranmeldung unter +43 (0) 6473 8766 jederzeit möglich. www.stillenachtmuseum.at | www.wallfahrtsmuseum.at
  • Die Pfarrkirche „Unsere Liebe Frau“ nahm eine besondere pastorale und historische Stellung innerhalb des Erzbistums Salzburg ein. Besonders sehenswert ist der Hochaltar mit dem Gnadenbild der Madonna, das Mohr zu seinem Gedicht inspiriert haben könnte. Nach zweijähriger Renovierung wurden die Kirche und der Altar im August 2016 neu geweiht. Ebenfalls gesegnet wurde der Stille-Nacht-Brunnen auf dem neu gestalteten Joseph-Mohr-Platz.
  • Eine gut einstündige, schöne Wanderung rund um Mariapfarr führt unter anderem zur Lungauer Urkirche Althofen und der Scharglerkeusche in Stranach. Start ist an der Wallfahrtskirche Mariapfarr, von hier aus folgt man hauptsächlich der gut ausgeschilderten Nordic-Walking-Strecke Nr. 7. Am Örglwirt vorbei, folgt die Route 7 dem Totengassl durch die schön geschwungene Birkenallee hinunter zur barocken Rundkirche Althofen. Viele Hinweise sprechen dafür, dass es sich bei dem frühromanischen Vorgängerbau um die in einer Urkunde aus dem Jahre 754 erwähnte Urpfarre handelt. Der Weg Nr. 7 führt geradeaus weiter, trifft wenig später auf eine Straße, folgt dieser kurz links abzweigend und bleibt dann am Taurachufer. Bei der Taurachbrücke wechseln wir kurz auf die andere Flussseite, denn dort, beinahe am linken Brückenkopf, steht die Scharglerkeusche, in der die Familie Mohr in bescheidenen Verhältnissen lebte. Diese typische Lungauer Keusche ist ein europäisches Kulturdenkmal, sie befindet sich in Privatbesitz. Wieder auf der anderen Uferseite, folgt die Route 7 noch kurz dem Verlauf der Taurachbahn und zweigt dann bei einem Traktorweg nach links ab. Über einige Höhenmeter geht es durch die Siedlung Stockerfeld und von hier aus kehrt man linkerhand nach Mariapfarr zurück.

 

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