Ried im Innkreis

Eine kleine Stadt mit großem Herzen

Franz Xaver Gruber war bei seinem Lehrer Peterlechner in Hochburg als Schulgehilfe tätig: Diese Vorbildung reicht aus, damit er in Ried im Innkreis zur Lehramtsprüfung antreten durfte. Die Hauptschule in Ried wurde 1780 vor dem Hintergrund eröffnet, dass die bisher bayerische Lehrerschaft nach den neuen Grenzziehungen auf das österreichische Theresianische Schulsystem umgeschult werden konnten. Hier erhielt Franz Xaver Gruber am 22. Juli 1806 das Zeugnis für die abgelegte Prüfung.

Die wechselhafte Geschichte von Ried im Innkreis

Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stand das Innviertel im Zentrum verschiedenster Machtinteressen. Der fruchtbare, rund 2.200 Quadratkilometer umfassende Landschaftsteil war abwechselnd unter bayerischer, österreichischer und für kurze Zeit sogar unter französischer Herrschaft. Im Jahre 1779 kam das bis dahin bayerische Innviertel (Innbaiern) durch den Frieden von Teschen zu Österreich, fiel kurzfristig zwischen 1810 und 1816 noch einmal an Bayern zurück und gelangte durch den Frieden von München schließlich endgültig zu Österreich. Im Herzen des Innviertels liegt Ried im Innkreis. Bereits 1857 wurde der damals größte Markt Österreichs von Kaiser Joseph I. zur Stadt erhoben. Heute leben rund 12.000 Menschen in Ried.

Die berühmte Bildhauerfamilie Schwanthaler aus Ried im Innkreis

Künstlerisch geprägt wurde Ried über beinahe zwei Jahrhunderte durch die Bildhauerfamilie Schwanthaler. Hans Schwabenthaler, der Urvater dieser herausragenden Künstlerdynastie, kam im Jahre 1632 aus der Gegend um Altötting nach Ried. Hans Schwabenthalers Sohn Thomas baute auf dem Wissen seines Vaters auf: Er lernte bei italienischen Meistern und nannte sich ab 1679 Schwanthaler. Im Jahre 1707 starb dieser bedeutende Barockplastiker der Innlandschaft im Alter von 73 Jahren. Die Karriere seines Enkels Johann Peter dem Älteren begann noch in Bayern, 1779 wurde das Innviertel an Österreich abgetreten. Es waren vier Familienmitglieder zur selben Zeit als Bildhauer tätig, aber die Zeiten begannen sich zu ändern. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verließen viele Künstler das Innviertel und zogen Richtung München. So auch die Familie Schwanthaler, die im neuen Umfeld noch einmal an die alte Größe anschließen konnte. Ludwig Michael Schwanthaler schuf in München die berühmte Bavaria und für Salzburg das Mozartdenkmal, das heute auf dem Mozartplatz steht.

 Die Stille-Nacht-Krippe kam von Oberndorf nach Ried im Innkreis

Schicksalhaft ist auch der Weg der Oberndorfer Weihnachtskrippe, vor der Gruber und Mohr das Lied erstmals gesungen haben. Die Krippe kam über Umwege ins Museum Innviertler Volkskundehaus in Ried und zählt heute zu den Höhepunkten der Sammlung.

Nach dem Abbruch der St. Nikola Kirche in Oberndorf zwischen den Jahren 1906 und 1913 wurde die Krippe nicht in das neue Gotteshaus übertragen, sondern den Oberndorfer Schulschwestern zum Geschenk gemacht. In Zeiten finanzieller Nöte verkauften diese die Krippe einem Händler, der sie 1926 wiederum an Pfarrer Johann Veichtlbauer aus St. Pantaleon weiterverkaufte. Mit dessen Sammlung ist die bedeutende Krippe als Schenkung nach Ried gekommen.

Auf den Spuren von „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ in Ried im Innkreis:

  • Das Museum Innviertler Volkskundehaus am Kirchplatz beherbergt die original Stille-Nacht-Krippe aus der St. Nikola Kirche von Oberndorf. Es handelt sich dabei um eine nach venezianischen Vorbildern gefertigte Kirchenkrippe aus der Zeit um 1800 mit den für das Inn-Salzach-Gebiet typischen Figuren. Die biblischen Szenen wurden dem Zeitgeist entsprechend in das lokale Geschehen übertragen. Die Hirten tragen die traditionelle Bauern- und Schiffertracht, eine Bäuerin mit schwarzem Kopftuch ist auch dabei. Die mehr als hundert menschlichen Figuren haben vorwiegend Köpfe aus Wachs, Arme und Beine sind aus Holz geschnitzt und die Körper bestehen aus Drahtgeflechten. Das Volkskundemuseum bietet mit seinem hervorragenden Bestand zudem einen guten Einblick in die Formenvielfalt der Schwanthaler-Plastiken.
  • Eine Stadtrunde durch Ried im Innkreis beginnt vor dem Volkskundehaus auf dem Kirchplatz. Die Route folgt der Kirchengasse rechter Hand bis zu einem schmalen Durchgang, der auf den Hauptplatz führt. Der Dietmarbrunnen teilt den leicht geschwungenen Platz. Am ehemals gotischen Rathaus vorbei geht es nach links zum Haus Hauptplatz Nr. 10. Unter einem Erker ist dort ein seltenes Narrenfresko erhalten. Zwei Narren umschlingen sich, daneben steht der Schriftzug „Unser sein Drey.“ Ist etwa der Hinaufschauende der dritte Narr? Bei einem Blick nach oben zeigt sich auf jeden Fall auch das Zimmer im Landrichterhaus in dem Kaiser Napoleon übernachtet hat. Am Ende des Oberen Hauptplatzes zweigt die Stadtrunde nach links auf den Stelzhamerplatz ab. Im Haus Nr. 10 bekam Franz Xaver Gruber das Befähigungszeugnis zur Ausübung des Lehrberufs überreicht. Links abzweigend beginnt die Schwanthalergasse, in der sich das Stammhaus der Künstlerfamilie befindet. Der Gedenkfries mit den Porträts der drei bedeutendsten Schwanthaler wurde 1868 angebracht. Als Höhepunkt der Stadtrunde führt der Weg nun in die Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul. Die geschnitzten Teile der Inneneinrichtung gehen zum Großteil auf die Bildhauerfamilie Schwanthaler zurück. Ein eindrucksvolles Beispiel von der vollendeten Meisterschaft bietet die Ölberggruppe in der Elendkapelle, die Thomas Schwanthaler zugeschrieben wird.

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