Hochburg-Ach

Grubers musikalische Anfänge

Es war das Jahr 1787, als am 25. November Conrad Xaver Gruber als fünftes Kind einer Leinenweberfamilie in Unterweitzberg 9 nahe Hochburg-Ach zur Welt kam. Unweit des kleinen Ortes fließt die Salzach gen Norden: Sie war zu dieser Zeit wichtiger Transportweg für das wertvolle Salz der Salzburger Fürsterzbischöfe und seit kurzem auch Grenzfluss. Denn 1779 musste Bayern infolge des Bayerischen Erbfolgekrieges das Innviertel an Österreich abtreten. Bis dahin war Hochburg ein Teil des Rentamtes Burghausen gewesen.

Geburtsort von Franz Xaver Gruber

Der kleine Franz Xaver Gruber – er nahm den Namen seines Taufpaten an –  wuchs in den unsicheren Zeiten der Franzosenkriege heran: Durch die neuen Grenzziehungen wurden lang funktionierende Einheiten und Beziehungen auseinandergerissen. Napoleon stand sprichwörtlich vor der Tür und sollte noch näher kommen. Im Jahr 1800 rückte ein französisches Armeekorps in Oberösterreich ein und verblieb ein ganzes Jahr in der Gegend. Erst im März 1801 zogen die Besatzer wieder ab: Im Totenbuch von Hochburg sind zahlreiche Todesfälle aufgrund von Misshandlungen und Übergriffen verzeichnet. Bereits 1805/06 wurde Österreich und Bayern erneut von französischen Truppen überschwemmt. Burghausen litt in dieser Zeit arg unter der französischen Besatzung. Als Napoleon I. 1809 mit etwa 100.000 Soldaten selbst nach Burghausen kam und hier einige Tage verbrachte, hatte Franz Xaver Gruber jedoch längst seine Ausbildung beendet und seine erste Lehrerstelle in Arnsdorf angetreten.

Franz Xaver Gruber beschritt neue Wege

Grubers Eltern Josef und Anna Gruber waren Kleinbauern und Leinenweber: Die Hauswebereien waren damals ein wichtiges Zubrot. Das spärliche Einkommen der Eltern brachte für die Familie wohl mancherlei Entbehrungen mit sich. Und so war es vielleicht kein Wunder, dass der Leinweber Josef Gruber keine Experimente duldete. Sein Sohn Franz Xaver sollte – so wie er – den ehrenwerten Beruf des Leinwebers ausüben. Dem Lehrer Andreas Peterlechner und dem Pfarrer Simon Dobler aber fiel die musikalische Begabung des Buben auf: Vor allem Peterlechner förderte den Schüler, wo immer es möglich war. Schließlich konnte auch der strenge Vater das außerordentliche Talent seines Sohnes nicht mehr übersehen und gab die Erlaubnis zum Orgelunterricht beim bekannten Chorregenten Georg Hartdobler im acht Kilometer entfernten Burghausen. Hartobler war so begeistert von dem 18-Jährigen, dass er ihn in Kost und Quartier nahm und ihn kostenlos unterrichtete. Nach nur drei Monaten Unterricht war Franz Xaver Gruber in der Lage, den Generalbass auf der Orgel zu spielen. Er spielte auch die Geige und bildete sich in Musikkunde fort, zudem komponierte er seine ersten Lieder.

Nachdem Franz Xaver Gruber von seinem Vater auch die Erlaubnis erhalten hatte eine Ausbildung zum Volksschullehrer zu absolvieren, kehrte dieser nach der Prüfung 1806 erneut in seinen Geburtsort zurück. Das vorgeschriebene Praxisjahr als Schulgehilfe absolvierte er bei seinem Förderer und Lehrer Peterlechner in Hochburg.

  • Maßgebliche Stationen, die den Lebensweg Franz Xaver Grubers prägten, liegen in Reichweite der Ortschaft Hochburg: die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, in der alljährlich am dritten Adventwochenende das beliebte Historienspiel „Die Suche nach der stillen Nacht“ aufgeführt wird und der Stiftsgasthof, in dem Gruber zu Ehren seines Firmpaten ein vierstimmiges Hochzeitslied produzierte. Weiters die nach Gruber benannte Schule und schließlich die heute nicht mehr im Original vorhandenen Wohnorte des Lehrers Peterlechner und der Familie Gruber.
  • Als Ersatz für das im Jahre 1927 abgerissene Geburtshaus Franz Xaver Grubers auf der Steinpointsölde im Ortsteil Unterweitzberg wurde ein beinahe identisches, mehr als 200 Jahre altes Holzgebäude aus der Nachbargemeinde Gilgenberg übertragen und im Ortszentrum originalgetreu wiederaufgebaut. Das im Franz-Xaver-Gruber-Gedächtnishaus („Grubahäusl“) untergebrachte Museum vermittelt die bäuerliche Wohn- und Arbeitswelt um 1800. Im Haus erinnern Gegenstände an die Familie: Das wertvollste Stück ist der Webstuhl, auf dem Franz Xaver Gruber das Weberhandwerk erlernt hat. Kustos Hans Schwarzmayr und sein Team bieten gegen Voranmeldung Führungen an.
  • Im Jahr 2012 wurde der zwei Kilometer lange Franz-Xaver-Gruber-Friedensweg angelegt, der wichtige Stationen des großen Komponisten, aber auch die wahrhaft grenzenlose Bedeutung des weltumspannenden Stille-Nacht-Liedes thematisiert. Ausgangs- und Endpunkt ist das Franz-Xaver-Gruber-Gedächtnishaus: Von hier geht es auf einer rund einstündigen „Weltreise“ durch alle Kontinente. Der Tiroler Künstler Hubert J. Flörl hat die Skulpturen geschaffen. Die Idee dazu ist, dass die Friedensbotschaft auf Engelsflügeln durch die Welt zu den einzelnen Kontinenten getragen wird. Aus jedem dargestellten Erdteil wird ein Friedenszitat vorgestellt. Das verbindende, friedensstiftende Miteinander funktioniert aber auch im ganz Kleinen: Die Flächen, auf denen die fünf Stationen des Friedensweges errichtet wurden, haben private Hochburger Grundstücksbesitzer zur Verfügung gestellt. Und die Pflege der herrlichen Beete haben sie auch gleich übernommen.

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