Brauchtum

Adventzeit und weihnachtliches Brauchtum im Stille-Nacht-Land

Der Advent ist die Zeit der Festlichkeiten, der Musik und des Innehaltens. Für viele ist es die schönste Zeit im Jahr, denn nun besinnt man sich wieder auf alte Bräuche und auf Begebenheiten aus der eigenen Kindheit. Es werden liebevoll verzierte Briefe an das Christkind geschrieben und in der Familie Kekse und Kletzenbrot fürs Weihnachtsfest gebacken. Nikolaus und Krampus ziehen von Haus zu Haus und jeden Sonntag wird eine weitere Kerze auf dem Adventkranz angezündet. Während Häuser und Wohnungen stimmungsvoll geschmückt sind, besinnt man sich im „Stille-Nacht-Land“ auf uralte Traditionen: Besondere kulinarische Genüsse, überlieferte Lieder und Bräuche werden von Generation zu Generation weitergegeben.

Warten auf das Christkind – wunderbare Adventzeit

Der erste Adventsonntag läutet im „Stille-Nacht-Land“ traditionell eine besinnliche Zeit ein. Während man auf Weihnachtsfeiern und auf Christkindlmärkten Freunde trifft, wird in den Familien darauf geachtet, dass das alpine Brauchtum nicht verloren geht. Im Advent ist der aus frischen Tannenzweigen gebundene Adventkranz ein treuer Begleiter. Das Wort Advent leitet sich aus dem lateinischen Begriff „adventus“ – Ankunft – ab. Es geht ums Warten und Innehalten, aber auch darum, sich auf Christi Geburt vorzubereiten. Im „Stille-Nacht-Land“ tut man das mit besonderen Festen und Bräuchen – viele davon alt überliefert, andere wiederum sind im Laufe der Zeit neu hinzugekommen.

  • Am Dezember, dem Barbaratag, holen viele Familien Kirschzweige aus dem Garten in die Wohnung oder ins Haus. Als Patronin der Bergleute und in ihrer Darstellung mit Turm und Schwert hat die Heilige Barbara eine wichtige Bedeutung im Stille-Nacht-Land, wo vielerorts Salz oder Erz abgebaut wurde. Wenn man Glück hat, öffnen die Zweige bis zum Weihnachtsfest ihre Blüten, was wiederum als Zeichen von Glück und Fruchtbarkeit gedeutet wird.
  • Beim Steinbacher Adventkalender in Steinbach an der Steyr in Oberösterreich wird seit 1988 jährlich von 1. bis 24. Dezember am Ortsplatz täglich ein weihnachtlich geschmücktes Fenster geöffnet.
  • Das Christbaumtauchen in Gmunden am Traunsee, in Schärding am Inn, in Schörfling am Attersee oder am Mondsee ist ein relativ junger Brauch, der seinen Ursprung in Oberösterreich hat und sich inzwischen österreichweit großer Beliebtheit erfreut. Dabei werden Christbäume im Wasser versenkt, um im Rahmen von Adventfeierlichkeiten – wunderschön beleuchtet – von Tauchern aus dem See gehoben zu werden.
  • Ähnlich frisch geht es beim jährlichen Adventschwimmen am ersten Adventsonntag im Stille-Nacht-Ort Hallein zu: Mit Fackeln und einem beleuchteten Holzstern begeben sich die Schwimmer ins kalte Nass und lassen sich auf der Salzach durch die historische Altstadt treiben.

Besuch von Nikolaus und Krampus

Vor allem für die Kinder beginnt mit dem Advent eine wunderbare Zeit. Wenn der erste Schnee vom Himmel fällt, werden Schlitten und Skier aus dem Keller geholt. Es wird ein Brief an das Christkind geschrieben und ins Fenster gelegt. In der Hoffnung, dass es alle Wünsche erfüllen wird. Gemeinsam werden Kekse gebacken, Weihnachtslieder gesungen und Geschichten gelesen. Und ab und zu steht im Advent auch jemand vor der Tür, der einem den kalten Schauer über den Rücken jagt: Der Krampus als Begleitung vom Nikolaus.

Der 5. Dezember ist in Oberösterreich, Tirol und dem SalzburgerLand der viel gefürchtete Krampustag. Es ist der Vorabend zum Tag des Heiligen Nikolaus‘. Nun ziehen mit dem dumpfen Klang von Glocken die Krampusse mit ihren Ziegenhörnern, Schafspelzen und geschnitzten Masken durch die Straßen. Sie sind die finsteren Begleiter des Nikolaus, der sich danach erkundigt, wie gehorsam die Kinder in diesem Jahre gewesen waren. Die braven Kinder werden beschenkt, die schlimmen bestraft. So will es die Tradition. Doch die Realität sieht zum Glück anders aus: Ein Nikolaussackerl mit Süßigkeiten, Erdnüssen und Mandarinen gibt es für alle. In den Ortschaften auf dem Land zieht der Nikolaus mit seinem Gefolge von Haus zu Haus, aber es gibt auch große, organisierte Krampusläufe oder Perchtentreiben.

Besondere Tipps für das SalzburgerLand:

  • Die „Wilde Jagd vom Untersberg“ findet jeweils am 2. Donnerstag im Advent statt. In Anlehnung an die Sage rund um den Wind- und Totengott Wodan und seinem Kriegsheer soll dieser in der Gegend um den Untersberg sein Unwesen treiben. Dann trifft sich die „Wilde Jagd“, bestehend aus Tod, Hexe, Habergoaß und Gestalten aus der Untersbergsage wie Moosweiberl, Saurüssel und Bär an einem geheimen Ort, um von Bauernhof zu Bauernhof zu ziehen. Dort wird gelärmt, gepoltert und zu Trommelschlägen und Pfeifenklang getanzt.
  • Zu Mittag des 24. Dezember begrüßen die Salzburger lautstark das Christkind. Beim traditionellen „Christkindlanschießen“ treffen sich die Festungsprangerstutzenschützen auf der Kuenburgbastei. Das festliche Schießen von der Festung Hohensalzburg lässt sich bis in die Barockzeit zurückverfolgen.

Besonderer Tipp für Oberösterreich:

  • Beim „Nigloumzug in Windischgarsten“ zieht am Abend des 5. Dezember eine illustre Gesellschaft von Engeln, Krampussen und Sagenfiguren durch Windischgarsten in der Urlaubsregion Pyhrn-Priel. Der „Niglo-Umzug“ gehört zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO und wurde bereits vor 150 Jahren zum ersten Mal beschrieben. Angeführt wird der Zug vom städtisch gekleideten „Nigloherrn“ in Begleitung der „Niglofrau“. Auf dem Weg durch Windischgarsten schließen sich sowohl schöne als auch schauerliche Figuren den beiden an: Ziel ist das Kulturhaus Römerfeld, wo Gedichte vorgetragen und kleine Geschenke an die Kinder verteilt werden.

„Anglöckler“ erinnern an die Herbergsuche

Ebenfalls im Advent stehen die „Anglöckler“, “Anklöpfler“ (Tirol) oder Weisenbläser vor der Tür: Kleine Sängergruppen ziehen – als Hirten verkleidet – von Haus zu Haus und stellen symbolhaft die Herbergsuche von Josef und Maria nach. Sie bitten um Einlass, singen Lieder und erzählen kleine Geschichten. Ihr Klopfen an der Tür soll das Böse vertreiben und Segen und Glück für das neue Jahr bringen. Dieser Brauch geht auf eine alte Tradition zurück: In früheren Zeiten waren die vielen Knechte auf den Bauernhöfen auf kleine Bittgaben von Nachbarn angewiesen, um über den Winter zu kommen. Heute wird den „Anglöcklern“ fast in jedem Haus Einlass gewährt. Sie werden bewirtet und beschenkt und ziehen dann weiter in die Nacht.

Schnee, Dämmerung, Anglöckler, Laterne

© SalzburgerLand Tourismus, Anglöckler

Kripperl und Christkind

Ein besonders schöner Brauch im Advent ist das „Kripperl schauen“. Beinahe in jeder Kirche gibt es eine zu entdecken. Die Szenerie und die Darstellungen in der Krippe wechseln von Woche zu Woche und regen die Fantasie der Kinder an. Zudem spannen sie den Bogen zwischen dem christlichen Glauben an die Menschwerdung Gottes und dem Christkind, das dafür sorgt, dass an Weihnachten die Geschenke unterm Baum liegen.

Der 2. Februar (Maria Lichtmess) markiert das endgültige Ende des Krippenkalenders sowohl in den Kirchen, als auch in den Privathaushalten. Auch die Christbäume bleiben oft noch traditionellerweise bis zu diesem Tag in den Wohnzimmern stehen. Seit dem 18. Jahrhundert ist es Brauch, kleine Krippen auch in der eigenen Wohnung aufzustellen.

Besonderer Tipp für Oberösterreich:

  • Zur „Kripperlroas“ im Salzkammergut öffnen jeweils von 24. Dezember bis 2. Februar (Maria Lichtmess) eines jeden Jahres Bauernhäuser und Krippenschnitzer ihre Türen, um Gästen die über Jahre kunstvoll aufgebauten, gepflegten und erweiterten Familienkrippen zu zeigen. Die Landschaftskrippen sind typische Volkskrippen, die die biblische Geschichte von der Geburt Christi in eine lokale Szenerie einbetten. Nachdem 1782 Kaiser Joseph II. den Kirchen per „Hofdekret“ das Aufstellen der oftmals sehr prunkvollen Krippen verboten hatte, begannen viele handwerklich Begabte, Krippenfiguren nachzuschnitzen und im eigenen Haus aufzustellen. Im Laufe der Zeit entwickelten sich aus den kleinen Kripperln die figurenreichen und oftmals Zimmer füllenden „Landschaftskrippen“. Das alljährliche Aufstellen und der Besuch von hunderten Landschaftskrippen in Privathäusern in der Weihnachtszeit zeigt die auch heute noch große Bedeutung dieses Brauchs für die Bevölkerung im Salzkammergut.

Besonderer Tipp für Tirol:

  • Vielerorts bieten Schnitzschulen und Krippenvereine in Tirol Krippenbaukurse an: so etwa der Krippenbauverein in Seefeld. Der Begriff „Krippele schaug’n“ ist in Tirol weit verbreitet: In Kirchen, Museen und bei privaten Schnitzern können Krippen besichtigt werden und Besucher erhalten interessante Einblicke in Hintergründe und Handwerk. Zu den besonders bekannten Krippenregionen zählen unter anderem das Pitztal und das Außerfern, aber auch die Dörfer rund um Innsbruck oder das Alpbachtal.
    Das Tiroler Volkskunstmuseum zeigt im Rahmen der großen Krippenausstellung die schönsten Krippen Tirols. Am Krippenpfad in Imst können Besucher zu 24 ausgewählten Orten und Plätzen wandern um besonders schöne Krippen zu besichtigen.
    Krippenvielfalt im FeuerWerk: Anlässlich seines 75. Geburtstages gestaltet der Krippenkünstler Hans Knapp vom Weerberg, in Zusammenarbeit mit Franz Margreiter aus Ried in der Galerie im FeuerWerk eine Krippenausstellung. Krippen von Hans Knapp, anderen Künstlern und Krippenschaffenden sind von Ende November diesen Jahres bis Lichtmess 2018 zu sehen. Lassen Sie sich überraschen und entscheiden Sie selbst, wie aufregend und spannend Krippen sein können!

Besonderer Tipp für das SalzburgerLand

  • Eine „Kripperlroas“ durchs SalzburgerLand führt unter anderem in die Krippenausstellungen ins Salzburger Heimatwerk oder auf den Salzburger Christkindlmarkt, ins Museum Schloss Ritzen Saalfelden, ins Großarltal oder nach Mariapfarr. Die Weihnachtskrippe hier mit rund 100 restaurierten Figuren aus der Zeit, in der Joseph Mohr den Liedtext verfasst hat, ist eine echte Attraktion.
  • Der Landeskrippenverband Salzburg und seine Ortsgruppen bieten Krippenbau-Workshops für Erwachsene an. Auch in Saalfelden – der Heimatstadt des weltberühmten Salzburger Krippenbauers Xandi Schläffer – wird die legendäre „Saalfeldner Krippe“ alljährlich von Schülern nachgebaut. Eine jede Krippe ist ein kleines Kunstwerk für sich: So muten die Heimatkrippen wie rustikale Salzburger Almhütten oder kleine Bauernhöfe an.

Eine besondere Zeit zwischen Weihnacht’ und Lichtmess

Niemals sonst liegt so viel Mystik und so viel Magie in der Luft wie rund um das Weihnachtsfest: Wenn die Nächte in den Alpen besonders lang und die Tage besonders kurz sind, wird das Licht neu geboren. Traditionelle Bräuche wurden von Generation zu Generation weitergegeben und werden heute noch so authentisch gelebt wie vor Hunderten von Jahren: Zum Schutz von Hof, Haus und Vieh, für eine reiche Ernte im neuen Jahr, Glück, Frieden und Gesundheit. Zum Weihnachtsfest holt man sich mit einem Christbaum ein Stück Natur in die eigenen vier Wände. Er wird mit Kugeln, Kerzen aus Bienenwachs und Süßigkeiten geschmückt. Besonders archaisch wird der Umgang mit den mystischen Raunächten zwischen der Wintersonnenwende am 21. Dezember und dem Dreikönigstag am 6. Jänner gepflegt. Der Legende nach geht in diesen Nächten die Frau Percht(a), eine Art Alpengöttin, mit ihrem wilden Gefolge um. Sie gilt als die Beschützerin der Frauen, vor allem der alleinerziehenden Mütter.

  • Ein besonderes schöner Brauch ist die Verteilung des Friedenslichtes aus Bethlehem am 24. Dezember. Das Friedenslicht wird alljährlich von einem Kind aus Oberösterreich – hier hat der Brauch seinen Ursprung – aus Bethlehem geholt und nach Wien gebracht. In ganz Österreich kann das Licht an Bahnhöfen, in Kirchen, ORF-Landesstudien, etc. abgeholt werden. Züge bringen das Friedenslicht von Österreich weiter in viele europäische Länder.

Räuchern in den Raunächten

Rund um die Raunächte ranken sich Aberglaube und Legenden. So etwa sollte in diesen Nächten niemals Wäsche zum Trocknen aufgehängt werden. Außerdem können sie als Wetterorakel für die folgenden zwölf Monate herangezogen werden. In diesen Nächten wird auch der uralte Brauch des Räucherns mit Weihrauch, Baumharz und getrockneten Kräutern praktiziert, wie eine Bäuerin aus dem Lungau es schildert: „Wir gehen mit der Rauchpfanne durchs Haus, über den Hof und durch die Stallungen und erbitten Schutz und Segen für das neue Jahr. An Weihnachten und Silvester wird außerdem noch mit Weihwasser besprengt und ein Rosenkranz gebetet.“

Perchtenläufe in den Alpen

Organisierte Perchtenläufe – es gibt Schön- und Schiachperchten – werden im SalzburgerLand ebenso wie in Oberösterreich und in Tirol zu Jahresbeginn abgehalten. So gehören etwa die Tresterer in Stuhlfelden im Pinzgau zu den Schönperchten, die für Fruchtbarkeit tanzen, singen und stampfen. In vielen Tiroler Orten werden aufwändige Perchtenläufe wie etwa im Tiroler Unterland mit Feuer-Darbietungen und furchteinflößenden Figuren veranstaltet. Die verkleideten Burschen tragen geschnitzte Masken sowie Schellen und Glocken: Die Perchten sollen die bösen Wintergeister vertreiben.

Besonderer Tipp für Oberösterreich:

  • Im Salzkammergut gehört die letzte Raunacht von 5. auf 6. Jänner den Glöcklern. Der Ursprung des Brauches liegt in Ebensee am Traunsee, mittlerweile sind die „Glöcklerläufe“ immaterielles Kulturerbe der UNESCO. Gepflegt werden sie im ganzen Salzkammergut, vom Attersee über den Traunsee und Bad Ischl bis Bad Goisern und Obertraun. Bei den „Glöcklerläufen“ ziehen weiß gewandete Männer mit kunstvollen, in vielen Stunden von Hand gefertigten Lichterkappen auf dem Kopf, von Haus zu Haus. Der Fantasie sind bei den Formen der Glöcklerkappen keine Grenzen gesetzt. Sterne in verschiedenen Variationen sind genauso zu sehen wie Pyramiden und Kometen mit langen Schweifen.

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