Friedenslied

„Stille Nacht! Heilige Nacht!“ als Friedensbotschaft

Das Lied „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ wirkt seit seinem ersten Erklingen als hoffnungsvolle Botschaft von der Menschwerdung: Es gilt als Welt-Friedenslied und wurde 2011 in die nationale Liste des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen. Verfasst hat den Text 1816 der Salzburger Priester Joseph Mohr in deutscher Sprache, was ungewöhnlich war für die damalige Zeit. Aber schon darin schwang mit, worum es Joseph Mohr ging: Um Gemeinschaft und Verbundenheit. Er selbst verstand sich als Seelsorger, dem notleidende Menschen ganz besonders am Herzen lagen. Sein eigener tiefer Glaube floss in seine Textzeilen ein. Und die Friedensbotschaft selbst stellt ihre verbindende Kraft über Ländergrenzen, Sprachbarrieren, Religionen und Jahrhunderte immer wieder unter Beweis.

„Holder Knabe im lockigen Haar, schlaf in himmlischer Ruh“: Das Weihnachtsgedicht von Joseph Mohr beginnt als Wiegenlied für das neu geborene Christkind. Der junge Priester, dem große Volksnähe nachgesagt wird, wusste um die Not der Menschen und ihre Sorgen. Er schrieb daher einen leicht verständlichen Text in deutscher Sprache, der die Menschen ergriff. Der tröstliche Gedanke von Rettung aus der Not durch die Geburt von Jesus und durch die Liebe Gottes zu den Völkern der Welt zieht sich bis zur sechsten Strophe und schenkte auch dank seiner berührenden Melodie neuen Halt und Zuversicht.

„Stille Nacht! Heilige Nacht!“ im Schützengraben

Weihnachten 1914: Rund fünf Monate nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs ereignet sich an der Westfront, an der schon mehr als eine Million Soldaten gefallen oder verwundet worden waren, ein einmaliges pazifistisches Wunder der Verbrüderung unter tausenden Soldaten verschiedener Nationen. Am 24. Dezember, dem Heiligen Abend vor dem eigentlichen Christfest, kehrte Ruhe ein in den Schützengräben. Einige Soldaten stellten kleine beleuchtete Weihnachtsbäumchen auf den oberen Rand des Schützengrabens – wie ein Zeichen des Friedens. Auf beiden Seiten der rund 50 Kilometer langen Front in Flandern legten die Kämpfer ihre Waffen und Helme ab und sangen heimatliche Weihnachtslieder. Auch „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ erklang – in verschiedenen Muttersprachen. Die friedliche, solidarische Kriegsweihnacht war mit einem Ausnahmezustand zu vergleichen: In der Folge wurde die Verbrüderung bei Todesstrafe verboten.

Leopold Kohr und das Weihnachtslied als politische Botschaft

Friedensgefühle und politische Statements gegen den Krieg bündelte während des Zweiten Weltkriegs und noch bis Mitte der 1950er Jahre der aus Oberndorf stammende Emigrant Leopold Kohr (1909 – 1994). In den USA publizierte der Salzburger Nationalökonom und Philosoph mit Hilfe von „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ höchst erfolgreich Sympathiekampagnen für seine Heimat Österreich. Alljährlich zur Weihnachtszeit veröffentlichte er Dutzende von Zeitungsartikeln, in denen er „Silent Night“ als politisches Lied gegen Nazideutschland und für die Befreiung Österreichs verwendete. Mit sentimentalen Beschreibungen seiner Salzburger Heimat und der österreichischen Alpen schürte er die Emotionen der Leser: „Oberndorf is only a small village in Austria. But it is my village, and this is why I often like to think of it. In the distance rise the mighty chains of the Alps to their majestic height. And the melody will float out again from the village which created it to the world to which it belongs.“

“Silent Night” erklang 1941 im Garten des Weißen Hauses

Die Brücke zur Politik schlug Leopold Kohr mit einem Erlebnis von Weihnachten 1941, als er im Garten des Weißen Hauses erlebte, wie Franklin D. Roosevelt und Winston Churchill gemeinsam mit der versammelten Menschenmenge „Silent Night“ sangen: “Maybe it was only I who had tears in my eyes. But I thought, sometime, when freedom and peace reign over the world again, and Austria is independent anew, I will tell them at home about the President and the Prime Minister singing Silent Night.“

Nach Kriegsende rückte Kohr seine politische Strategie in den Hintergrund und siedelte seine Weihnachtsbotschaften mehr und mehr auf der reinen Gefühlsebene an. Er schwärmte vom Leuchten der Kinderaugen und von der Wiederkehr der heilen österreichischen Alpenwelt nach dem Krieg.

„Stille Nacht! Heilige Nacht!“ und „The Sound of Music“

In eine ähnliche Kerbe schlug Österreichs wohl berühmteste Sängergruppe, die Salzburger Familie Trapp, die noch vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ebenfalls in die USA emigriert war. Im Januar 1947 wandte sich Generalmajor Harry J. Collins in den USA an die Trapp-Familie. Der US-Offizier war mit der berühmten 42. Rainbow-Division nach Salzburg gekommen und schilderte das Leid der Österreicher nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Familie Trapp reagierte spontan und gründete die Trapp Family Austrian Relief Inc. als eingetragene Vereinigung der Österreich-Hilfe mit Sitz in Stowe, Vermont. Als Begründer und 1. Präsident wurde Georg von Trapp eingetragen, Präsidentin war Maria von Trapp, Schatzmeister Franz Wasner. 150 Tonnen Hilfsgüter kamen zusammen, als die Trapp-Familie von da an ihre Konzerte mit dem Aufruf einleitete: „Das Land, das der Welt einen Haydn, Mozart, Schubert und die Stille Nacht geschenkt hat, wird zugrunde gehen, wenn wir nicht alle miteinander helfen.“

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